Um Ausgangspunkt und theoretisches Prinzip Jürgen- Peter Lunds zu
bestimmen, kann man sich eine Landschaft vorstellen, die aus zwei ganz
unterschiedlichen, extremen Perspektiven
gesehen wird:
Man schaut einmal von einem hohen Standort auf
ein tiefer liegendes, weit ausgebreitetes Panorama, ein anderes
Mal hat man im Liegen auf einer Wiese die einzelnen
Grashalme in Augenhöhe. In dieses Spannungsgefüge menschlicher
Wahrnehmung zwischen Weltausblick und Mikrokosmos sind diese Bilder eingehängt.
Und tatsächlich, die Landschaft ist zwar
nicht Motiv in klassischem Sinne, aber doch immer der Anlass für
Jürgen- Peter Lunds malerische Untersuchung. Er hat einen
persönlichen Weg in die Abstraktion beschritten, auf dem sich
die Formen einer anfänglich noch gebauten Perspektive zunehmend
aufgelöst haben.
Die Montage der Formen, die faktische Stapelung
der Farbfelder und die Raumwerte der Farbe belegen, dass seine
Bilder ihre fernen
Inspirationsquellen in der Erfahrung unserer Wirklichkeit besitzen.
DUAL ( 9 ) - 1999
In seine Arbeiten fließen existente Landschaften,
erlebte Räume, geschaute Farben ein, allerdings nur abstrakt
als Muster des Liniengerüsts und der Flächenteilung,
als Tiefenwirkung, Helligkeitswert und Skala des Farbeindrucks.
Jürgen-Peter Lund trennt sich jedoch gleich
wieder unbefangen von der Landschaft, denn seine Suche gilt dem
abstrakten Bild, in dem Farbe selbst zum Substrat von Natur und
Umwelt wird.
Auszug aus dem Text von Jens Martin Neumann,
Kiel.